Im Freundes- und Familienkreis wird er kurz WoBo genannt: Wolfgang Bosbach gehört zu den bekanntesten Politikern Deutschlands. Kurz und prägnant erläutert der CDU-Innenpolitiker seine Einschätzung zur hiesigen Debattenkultur

Wird in Deutschland zu viel oder zu wenig diskutiert und debattiert?

Wolfgang Bosbach: Es wird zu lange über immer die gleichen Themen und Probleme diskutiert, ohne dass überfällige Entscheidungen getroffen werden.

Wie schätzen Sie die aktuelle Debattenkultur in Deutschland ein? Was läuft gut, was schlecht?

Wolfgang Bosbach: Wir neigen leider immer mehr dazu, die eigene Meinung für die einzig wahre, vertretbare zu halten und zu viele leiden unter selektiver Wahrnehmung. Argumente und Fakten, die nicht zur eigenen Meinung passen, werden schlicht ausgeblendet. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Welchen Einfluss auf die Debattenkultur in Deutschland haben soziale Medien?

Wolfgang Bosbach: Einen hohen, stets zunehmenden. In nicht wenigen Medien werden Twitter– oder Facebook-Beiträge mittlerweile in den Rang von Regierungserklärungen erhoben. Ob das eine wirklich gute Entwicklung ist, darf ruhig bezweifelt werden.

Stichwort Debattenkultur: Auf welche Entwicklungen müssen wir uns für die nächsten Jahre einstellen?

Wolfgang Bosbach: Es wird verstärkt so weitergehen. Siehe oben!

Sie sind ja auch in der Wirtschaft und im Sport gut vernetzt: Wo sehen Sie Unterschiede in der Debattenkultur zwischen Diskussionen in der Wirtschaft, der Politik und im Sport?

Wolfgang Bosbach: In der Wirtschaft geht es aus guten Gründen ruhiger zu, da spielen Zahlen und Daten eine viel größere Rolle. Im Sport dominieren Emotionen noch mehr als in der Politik.

Ihr Schwiegersohn in spe gehört der SPD an. Wie laufen Debatten bei Ihnen in der Familie ab? Wird viel diskutiert? Wie kommt man zu einer Entscheidung/Kompromiss?

Wolfgang Bosbach: Genauso, wie in allen anderen Familien auch. Wir führen keine Koalitionsverhandlungen, wir sprechen über ganz alltägliche Dinge.

Wolfgang Bosbach

Wolfgang Bosbach

Wolfgang Bosbach ist CDU-Politiker und Rechtsanwalt. Er war stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Union und Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages. Im Oktober 2017 beendete er seine politische Arbeit im Bundestag. Obwohl er kein neues Mandat anstrebt, setzt er sich der intensiv für die Belange Deutschlands ein.

 

 

Nachgehakt: 7 private Fragen an Wolfgang Bosbach

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne einmal debattieren und worüber?

Mit Jogi Löw und Toni Kroos über die Gründe für das frühzeitige “Aus” der deutschen Mannschaft bei der Fussball WM in Russland.

Wie würden Sie Ihren Diskussionsstil beschreiben?

Wie heisst es im Rheinland doch so treffend: suaviter in modo, fortiter in res! (auf deutsch: leicht in der Art, entschlossen im Geschäft!)

Was machen Sie am liebsten nach einer anstrengenden Diskussion?

Nix wie ab nach Hause. Oder ins Hotel. Hauptsache Ruhe.

Ergänzen Sie bitte diesen Satz: " In Diskussionen kann ich überhaupt nicht leiden,.."

wenn keine(r) der/ dem anderen richtig zuhört, Mitdiskutanten ständig unterbrochen werden und die ganze Truppe nicht zum Punkt kommt.

Wer ist Ihr Vorbild im Debattieren?

Norbert Lammert! Kenntnisreich, erfahren, geschliffene Rhetorik, humorvoll.

Wer hat Sie in einer Debatte besonders überrascht?

Auf eine wirkliche Überraschung warte ich immer noch.

Sandra Maischberger, Tilo Jung (Jung & Naiv), Michel Friedman oder Anne Will?

Am meisten überzeugen mich jene, die durch Inhalt und Stil der Moderation nicht unübersehbar erkennen lassen, welche politische Präferenz sie haben.

Foto von Wolfgang Bosbach: Achim Melde. Beitragsbild von Simone M. Neumann