Die Kenntnislage über die Wirkung von Social Bots sind aktuell noch nicht ausgereift. Sie können nur ein zeitliches Phänomen sein oder aber eine Gefahr für die Demokratie darstellen.

In Deutschland kam die Debatte um Social Bots 2016 auf. Grund dafür war der US-Wahlkampf, in welchem Hilary Clinton und Donald Trump von Social Bots (SB) unterstützt wurden, welche vor allem bei Twitter Einfluss auf die öffentliche Meinung nahmen. Was dahintersteckt: Social Bots sind „ Computerprogramme, die automatisiert bestimmte Aufgaben erfüllen“ so die Bundeszentrale für politische Bildung. „Menschen, die mit Social Bots konfrontiert werden, nehmen diese nicht als durch Algorithmen gesteuerte automatische Kommunikation wahr, sondern als menschliche Internetteilnehmer. Daher sind sich die Empfänger keiner Manipulation bewusst“ so das Resümee der Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung (TAB) beim Deutschen Bundestag.

Jüngst rückten SB in Bezug auf den UN-Migrationspakt erneut in den Fokus. Das Berliner Unternehmen Botswatch will herausgefunden haben, dass in der Debatte um den Migrationspakt 28 Prozent der deutschsprachigen Tweets von SB stammen. Diese Bots hätten die Inhalte so stark popularisiert, dass von einer manipulierten Debatte gesprochen werden könne. Wie nah die Zahl an der Realität ist, bleibt unklar, da Botswatch seine Methodik nicht offenlegt. Zudem widerlegen andere Programme wie Hoaxy, dass die Diskussion um mögliche SB künstlich angefacht wurde. SB zu erkennen, ist schwierig. Als Hinweis auf eine automatisierte Steuerung gilt der Richtwert von 50 Tweets pro Tag und Account.

Social Bots: Nur harmlose Störenfriede?

Die Ansichten darüber, wie sehr SB Einfluss auf (politische) Willensbildung nehmen können, variieren deutlich. Auch, weil die Wirkungszusammenhänge noch kaum belegt sind, so die Studie des TAB. Wichtig ist, dass SB von Menschen gesteuert werden und manipulativ sind. Die Programme sind jedoch nicht in der Lage, selbstständig zu lernen und zu agieren. Menschliche Akteure haben damit immer noch den größten Einfluss auf die Meinungsbildung in sozialen Netzwerken, wie der digitalpolitische Sprecher der SPD, Jens Zimmermann, vor Kurzem sagte. Doch das schmälert nicht die Sorge um zukünftige negative Auswirkungen von SB. Was heute schon geschieht, könnte in Zukunft zunehmen: Bots könnten Beiträge und Hashtags so intensiv verbreiten, dass sie künstlich einen Trend kreieren und der Eindruck entsteht, ein bestimmtes Thema habe große Bedeutung. Oder Bots verhindern einen wahren Meinungsaustausch, indem sie Online Debatten durch Hasskommentare zerschlagen oder Diskussionen, zur Störung der Debattenkultur, quantitativ und qualitativ verzerren.

Der Sprecher des Hackervereins Chaos Computer Club, Linus Neumann, sieht die Gefahr von SB gering. Vor dem Bildungsausschuss zeigte er das in Zahlen auf: „Es gebe in Deutschland höchstens vier Millionen Twitter-Nutzer. Selbst wenn es gelänge, fünf Prozent davon zu beeinflussen, seien das weit weniger als ein Prozent der Wähler“ so die SZ. Auf die 30 Millionen Facebook Nutzer geht Neumann deshalb nicht ein, weil Bots dort bislang kaum auftraten. Nichtsdestotrotz sollten mögliche Wirkungsbereiche von SB nicht aus den Augen verloren werden.

Wirkung einer Kennzeichnungspflicht von Social Bots zweifelhaft

Zu diesem Zeitpunkt lässt sich resümieren: Über die Wirkung von SB lässt sich (noch) nicht viel aussagen. So scheint die recht frische Forderung nach einer Kennzeichnungspflicht für SB eher wie ein verzweifelter Versuch, Ordnung in das Chaos im Internet zu bringen. Diskutiert wird, ob Plattformbetreiber verpflichtet werden, Bots und ihre Mitteilungen als solche zu kennzeichnen und Konten, die dieser Forderung nicht nachkommen, zu sperren. Eine Kennzeichnungspflicht ist deshalb schon problematisch, da noch nicht genau definiert ist, was unter „Social Bot“ fällt. Zeitungen teilen, sobald auf ihrer Seite ein Beitrag veröffentlicht wurde, meistens einen Post auf Twitter. Das geschieht teilautomatisiert und würde unter dem Gesichtspunkt ebenfalls sanktioniert werden. Eine weitere Handlungsmöglichkeit wäre der in einem Gesetzentwurf vorgestellte „Digitale Hausfriedensbruch“. Demnach wäre Bots der Zutritt auf sozialen Plattformen verboten, was in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eines Unternehmens ersichtlich werden würde.

Ob Verbote wirklich hilfreich sind, um gegen SB vorzugehen, ist zweifelhaft. Nicht nur Andre Wolf von der Initiative mimikama, die über Internetmissbrauch aufklärt, plädiert für die Stärkung von Wissen in der Bevölkerung. Auch Lena-Sophie Müller erhofft sich, dass die Debatte in einem breiteren Kontext geführt wird. „Eine Kennzeichnungspflicht für Social Bots sei ein richtiger Schritt“, so das Mitglied der Enquete-Kommission KI. Doch das könne nur einer von vielen Bausteinen sein. Im Tagesspiegel fordert sie zusätzlich „die Förderung der Digitalkompetenzen der Bürger – quasi als Stärkung des Immunsystems der Bevölkerung“. Da Bots schwer zu erkennen sind, ist die Förderung der Kritikfähigkeit wichtiger denn je. Wenn Menschen nicht alles hinnehmen und „nachplappern“, bleiben Bots vielleicht nur ein Phänomen, das wieder verschwindet, ohne großen Schaden anzurichten.

<a href="https://blog.debatoo.com/author/debatoo_elisa/" target="_self">Elisa Reinlein-Mertens</a>

Elisa Reinlein-Mertens

Elisa Reinlein-Mertens hat ihren Bachelor-Abschluss in Philosophie, Politik & Ökonomik an der Universität Witten/Herdecke absolviert. Aktuell studiert sie Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste Berlin. Sie ist Social Media Manager bei Debatoo.