Die junge Sky-Sportmoderatorin Miriam Sinno wurde in sozialen Medien gemobbt. Sie wehrte sich gegen die gemeinen Kommentare. Hier berichtet sie, wie sie seitdem mit Hasskommentaren und Mobbing in Social Media umgeht und warum sie die Möglichkeit, Online-Debatten führen zu können, dennoch für positiv hält.

Welche Erfahrungen hast du mit sozialen Medien gemacht?

Miriam Sinno: Ich stelle immer wieder fest, dass es einfach ist, Menschen schnell dazu zu bewegen, sich an einer Online-Debatte zu beteiligen. Viele meinen, ihre Ansicht kundtun zu müssen. Neulich habe ich auf Twitter beobachtet, was passierte, als jemand schrieb: „Am Sommer hasse ich es, dass eklige Menschen meinen, ihre nackte Haut zeigen zu müssen.“ Sofort entstand ein Sturm der Entrüstung. Die Menschen posteten kommentierte Bilder von sich. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie schnell sich dann eine Gemeinschaft bildet und sich gegen solche unqualifizierten Aussagen wehrt. Bei politischen Online-Debatten ist allerdings auch viel emotionaler Unfug dabei.

Wie kann man sich gegen Hassbeiträge schützen?

Miriam Sinno: Hierzu muss ich etwas ausholen. Als ich beim Sportkanal Sky anfing, also einem großen Sender, bei dem auch viele Frauen moderieren, hätte ich nicht erwartet, dass es ‚Hohlbirnen‘ unter den Zuschauern gibt, die sich noch solche Kommentare einfallen lassen. Aber so war es. Mir ist nach einer Sendung, nach der sich die Kommentare häuften, der Kragen geplatzt. Ich habe mich gewehrt, in dem ich dazu aufgefordert habe, nicht einzuschalten, wenn jemand von meiner Person genervt ist. Auf meine Reaktion hin habe ich tolles Feedback erhalten. Verbale Streicheleinheiten wollte ich mit meinem Post gar nicht auslösen. Ich wollte einfach reinen Tisch machen. Jetzt kriege ich es zwar immer noch nicht hin, solche Hasskommentare nicht zu lesen, aber ich lösche oder blockiere sie schnell, um sie aus meinem Sichtfeld zu bekommen. Man kann es eben nicht allen recht machen, denke ich mir dann.

Welchen Einfluss haben soziale Medien auf unsere Debattenkultur?

Miriam Sinno: Das Beispiel der Kapitänin Carola Rakete hat gezeigt, welche Ausmaße eine Debatte durch das Internet nehmen kann. Und wie stark eine Gemeinschaft dadurch wird. Auch bei der Werbung GEGEN die AfD funktioniert das super, auch wenn man aktuell noch nicht real messen kann, wie viele Meinungen tatsächlich im Internet gegen die AfD kursieren. Trotzdem glaube ich, wenn Prominente wie im Fall Carola Rakete eine Aktion im Netz anstoßen, aktivieren sie mehr Menschen, als wenn ein ‚Normalo‘ das tut. Sehr negativ finde ich, dass das Internet dazu genutzt wird, so viele Falschmeldungen zu streuen und Leser zu manipulieren. Das macht mir Angst.

Wie aktiv bist Du auf den sozialen Medien?

Miriam Sinno: Instagram betreibe ich intensiv, bei Twitter und Facebook bin ich eher die stille Leserin.

Verrohen unsere Sprache und unser Umgang miteinander durch die Nutzung sozialer Medien?

Miriam Sinno: Wenn ich manche Nachrichten lese, wird mir schwindelig. Man kann sie fast gar nicht verstehen. Also, die Sprache leidet ganz sicherlich darunter. Und auch die Art des Umgangs im Netz scheint keine Grenzen zu kennen. Als Frau erhält man viele schlüpfrige Kommentare. In der analogen Welt, also auf der Straße, trauen sich die Leute nicht einen anzusprechen, aber im Netz verlieren sie jegliche Hemmungen und lassen alle sonst dagewesenen Barrieren einstürzen.

Fazit: Soziale Medien – Fluch oder Segen?

Miriam Sinno: Dass die meisten Menschen über soziale Kanäle erreicht werden können, ist zunächst einmal sehr positiv. Ich hoffe, dass die Nutzer es genauso sehen und diese Kanäle im positiven Sinn für sinnvolle Debatten verwenden.

Miriam Sinno

Miriam Sinno

Miriam Sinno hat ein Volontariat beim Axel Springer Verlag in Berlin absolviert. Anschließend arbeitete sie bei Bild.de und moderierte die Videonachrichtensendung Bild Daily. Beim Casting-Wettbewerb „Sky Sport Traumjob“ setzte sie sich gegen die Mitbewerber durch und ist seit Januar 2019 als Sky-Sportmoderatorin tätig.

Nachgehakt: 7 private Fragen an Miriam Sinno

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne einmal debattieren und worüber?

Mit Sängerin Adele über ihren persönlichen Musikgeschmack. Ich bin eine wandelnde Jukebox und kann viele Songs mitsingen. Das Gespräch stelle ich mir sehr interessant vor. Und aufregend.

Wie würden Sie Ihren Diskussionsstil beschreiben?

Ich versuche durchgehend auf dem Teppich zu bleiben und nicht emotional zu werden. Ich akzeptiere andere Meinungen, höre sie mir erst an und argumentiere dann. Ich bin ruhig, aber abwägend.

Was machen Sie am liebsten nach einer anstrengenden Diskussion?

Eine Zigarette rauchen.

Ergänzen Sie bitte diesen Satz: " In Diskussionen kann ich überhaupt nicht leiden,.."

wenn es persönlich wird.

Wer ist Ihr Vorbild im Debattieren?

Da fällt mir niemand ein.

Wer hat Sie in einer Debatte besonders überrascht?

Marc Zuckerberg, als er sich vor dem US-Kongress verantworten musste. Wider Erwarten hatte er ein paar schlaue und unterhaltsame Antworten parat. Von wegen Nerd.

Sandra Maischberger, Tilo Jung (Jung & Naiv), Michel Friedman oder Anne Will?

Ich kann mich da nicht auf eine Person festlegen.

Bilder von Miriam Sinno stammen aus ihrem Instagram-Account @miriam.sinno.