Sie spielte in einer Sat.1-Telenovela mit, nahm erfolgreich an der TV-Show Germany’s Next Top Model teil, und arbeitet heute als Model und Moderatorin: Fiona Erdmann. Mit ihren 100.000 Followern gehört sie zu den beliebtesten Influencerinnen Deutschlands. Dabei lebt die 30-Jährige seit fast zwei Jahren in Dubai, wo sich der energiegeladene Instagram-Star eine zweite Existenz aufbaut.

Du bist eine bekannte Influencerin. Postest Du neben deinen klassischen Themen auch z.B. Gesellschafts-politische Themen, die Dich interessieren und über die Du mit Deinen Fans diskutieren möchtest?

Eher selten. Zuletzt war dies vor einem guten halben Jahr der Fall, als die gesamte Sparte von Influencern durch eine penetrante Maschinerie einer regelrechten Abmahnindustrie bedroht war. Und ich natürlich mitten drin!  

Was ist passiert?

Der Verband Sozialer Wettbewerb mahnte mich 2017 ab, weil ich vermeintlich einen Post mit Werbung veröffentlicht hatte. Ich unterschrieb eine Erklärung und überarbeitete daraufhin meinen Instagram-Account und die Fotos. Als ich aber viel später ein Foto eines Testshootings postete, für das gar kein Geld geflossen ist oder Verträge geschlossen wurden, sollte ich 7000 Euro zahlen. Das hat mich sehr wütend gestimmt, weil ich mir keiner Schuld bewusst war.

Und: Hast Du gezahlt?

Ich bin bis vors Landgericht gezogen. Am Ende hat mich das Gericht zur Zahlung verdonnert. Das hat mich insgesamt rund 20.000 Euro gekostet. Dabei hat Cathy Hummels gerade genauso einen Fall vor Gericht gewonnen.

Das sind eher keine schönen Erfahrungen mit den sozialen Medien

Stimmt. Zumal ich dann noch einmal auf 7.000 Euro verklagt werden sollte, weil der Schriftzug Anzeige bei einem Post nicht auf allen Handy Displays sichtbar war.

Was hast du für Erkenntnisse daraus für dich gezogen?

Für mich ist das, was der Verband macht, reine Schikane und Abzockerei. Gleichzeitig habe ich wieder festgestellt, wie viel Kraft Instagram hat. Allein durch einen Post habe ich 20.000 Euro verloren. Man kann dort nicht einfach mal ein schönes Bildchen hochladen. Dafür kann man sehr bestraft werden. Das heißt, mithilfe von Instagram kann man sich ein groß angelegtes Image aufbauen, aber man kann sich auch alles kaputtmachen. Diese Kraft darf man nicht unterschätzen.

Und wie reagierst du nun auf die Werbewächter?

Egal, wohin ich verlinke, ich kennzeichne alles als Anzeige.

Bist Du schon mal gemobbt worden?

Weniger durch Follower, als durch diese Abmahnvereine. Die haben mich – zumindest gefühlt – teilweise geradezu gestalkt. Zu einem Mobbing gehören aber noch immer mindestens Zwei! Es widerspricht meinem Naturell, mich auf die Opferrolle einzulassen. Auch bei der Abmahnmasche war das nur bis zu einem gewissen Punkt der Fall. Irgendwann war das Maß eben voll! Und dann habe ich mich ebenso intensiv wie erfolgreich der Gegenwehr gewidmet.

Nimmst Du auch mal im Netz an einer Diskussion teil?

Hin und wieder, ja. Ich neige dann aber nicht zu einer Art „Schreibdurchfall”. Ich sage meine Meinung, und bin nicht der Typ mit der Devise: Es ist zwar alles schon gesagt, nur noch nicht von jedem. 

Wie empfindest Du das Verhalten der Leute im Netz? 

Wenn Leute anonym agieren können, nutzt dies ein geringer Teil aus, um seine gute Erziehung zu vergessen. Ein ähnliches Phänomen ist bereits von Autofahrern bekannt. Erst kürzlich hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, dass mich eine promovierte Astrophysikerin aus Wien, mit der ich – ich schwöre – niemals zuvor etwas zu tun hatte, extrem beleidigt hat. Sie hat einen Online-Kommentar unter einen Artikel über mein Leben in Dubai gesetzt, der „unterste Schublade“ war. Man erkennt daran, dass selbst vermeintlich gebildete Menschen mit der Versuchung, im Dunstkreis der Anonymität, nicht umgehen können. 

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat einmal gesagt, dass Online-Debatten vielfach toxisch, also wütend, polemisch und unzivilisiert geführt würden. Siehst du das auch so?

Das kann ich bei den Themen, die ich für gewöhnlich belege, eher weniger oder gar nicht bestätigen. Bei politischen oder sonst wie typisch streitbefangenen Diskussionen mag das aber sehr wohl zutreffend sein. Aber grundsätzlich finde ich die Nutzung sozialer Medien gut, um zu erfahren, wie Deutschland so denkt. Aber es gibt eben Themen, die man nicht ausdiskutieren muss. Zum Beispiel, ob das Kleid nun wirklich hässlich ist oder nicht.

Du lebst in Dubai. Wird doch auch öffentlich diskutiert?

Selbstverständlich wird dort ebenfalls debattiert. Dubai ist schließlich ein sehr westlich orientiertes Emirat. Nicht von ungefähr verzeichnet die Stadt Dubai die höchsten Tourismuseinnahmen aller Städte weltweit. So viele Touristen würden Dubai sicher nicht – oder jedenfalls nicht wieder – besuchen, wäre die Meinungsfreiheit spürbaren Einschränkungen unterworfen. 

Fiona Erdmann

Fiona Erdmann

Sie spielte in einer Sat.1-Telenovela mit, nahm erfolgreich an der TV-Show Germany’s Next Top Model teil, und arbeitet heute als Model und Moderatorin: Fiona Erdmann. Mit ihren 100.000 Followern gehört sie zu den beliebtesten Influencerinnen Deutschlands. Dabei lebt die 30-Jährige seit fast zwei Jahren in Dubai, wo sich der energiegeladene Instagram-Star eine zweite Existenz aufbaut.

Nachgehakt: 7 Fragen an Fiona Erdmann

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne einmal debattieren und worüber?

Nun, um beispielhaft bei dem vorhin schon erwähnten Punkt zu bleiben, mit Frau Christine Lambrecht, der deutschen Bundesjustizministerin. Worüber, das lässt sich leicht erraten, natürlich die aus meiner Sicht dringend erforderliche Anpassung des Wettbewerbsrechts an die neuen Medien.

Wie würden Sie Ihren Diskussionsstil beschreiben?

Fair, offen, souverän, bestimmt, aber auch bereit zuzuhören und ggf. Zugeständnisse zu machen, wo es sachlich angebracht ist. 

Was machen Sie am liebsten nach einer anstrengenden Diskussion?

Um eventuelle Frustpotenziale loszuwerden, treibe ich Sport.

Ergänzen Sie bitte diesen Satz: " In Diskussionen kann ich überhaupt nicht leiden,.."

… wenn mein Diskussionspartner mir ständig oder wiederholt ins Wort fällt. Oder wenn dieser unfair agiert. 

Wer ist Ihr Vorbild im Debattieren?

Ich habe einige Vorbilder, allerdings meinen persönlichen und beruflichen Lebensbereich betreffend. Da ich Debattieren nicht als mein “Kerngeschäft” betrachte, hat sich bisher noch nicht die Gelegenheit ergeben, über ein “Idol” in puncto Diskussionskultur auch nur ansatzweise nachzudenken. 

Wer hat Sie in einer Debatte besonders überrascht?

Ich finde Markus Lanz ganz cool, weil er bei verschärften Situationen gut umlenken kann, aber manchmal geht er nicht wirklich auf seinen Gesprächspartner ein, sondern feuert eine Frage nach der anderen ab, ohne wirklich nachzuhaken.

Welche(r) TV-Moderatorin/ TV-Moderator überzeugt Dich in Debatten am meisten? Sandra Maischberger, Tilo Jung (Jung & Naiv), Michel Friedman oder Anne Will?

Ich schaue wirklich sehr selten deutsches TV, vor allem seitdem ich in Dubai lebe. Von daher möchte ich mich hier nicht festlegen.

Photos: @fionaerdmann auf Instagram.