Nutzt die Situation, jetzt! – Nina Brune zu #rezovideo

Generation Mutti

Ich bin aus der Mutti Generation. Angela Merkel wurde zur Bundeskanzlerin gewählt als ich 7 Jahre alt war. Ich kenne praktisch keine andere Regierungspartei als die CDU. Ich bin auch aus der Generation, der man nachsagt, wir seien „politikverdrossen“, der man vorwirft nur an ihren Handys zu hängen, die man als Politik desinteressiert abstempelt. Gleichzeitig bin ich auch aus der Generation, die Fridays for Future ins Leben gerufen hat.

Für mich spiegelte Rezos Video „Die Zerstörung der CDU“ viele meiner eigenen Meinungen wider. Ich glaube auch, dass die CDU (wohlgemerkt auch SPD, FDP) lange Jahre den Klimawandel nicht ernst genommen haben und wissentlich Klimaschutz initiativen der Kohleindustrie wegen nicht vorangebracht haben. Auch bin ich der Meinung, dass die US-amerikanischen Drohnenangriffe im Yemen, Pakistan und weiteren Staaten Menschenrecht verletzten.

Dennoch sage ich auch ganz klar: Das Video ist emotional, unsachlich und eher oberflächlich gehalten. Das sind aber für mich alles keine schlechten Sachen. Rezo behauptet zu keiner Zeit sein Video wäre unemotional, unsachlich oder eine vollständige Darstellung aller Fakten. Es ist kein Video, das als neutrales Bildungstool eingesetzt werden soll. Es ist das komplette Gegenteil. Hier spricht ein junger Mann über seine, ganz persönliche, Einstellung zu den politischen Parteien.

Neue Räume für politischen Diskurs tun sich auf

Trotzdem stellt sich mir, als Studentin der Kommunikationswissenschaft, die Frage, wie so ein Video auf das Publikum wirkt. Youtube und Social Media Plattformen eröffnen einen komplett neuen Raum des politischen Diskurs. Viele junge Menschen holen sich vermehrt ihre politischen Informationen nur von Social Media. Auch das größte Publikum von Rezo sind sicherlich junge Leute, die entweder noch nicht wählen können oder erst jetzt Erst- oder Jungwähler sind. Hier werden sie nun, vielleicht zum ersten Mal, konkret mit einer politischen Stellungnahme konfrontiert, die naturgemäß manipulativ ist. Das meine ich nicht böse, sondern sehe es ganz nüchtern. Als Beispiel: Alle Thesen Rezos sind gut belegt, aber emotionell manipulativ ist die Nutzung der Musik. Der Zuschauer wird geleitet. Wo wir sauer werden sollen, wird die Musik schneller. Wo wir traurig und entsetzt seien sollen, ist die Musik melancholisch. Es ist sehr effektiv. Warum sollte es auch nicht so seien? Wir können entsetzt darüber seien, dass eine Hochzeitsgruppe von amerikanischen Drohnen getötet wurde. Wir können auch sauer seien, dass die Ziele des Pariser Abkommens nicht eingehalten werden.

Nutzt die Situation, jetzt

Die Frage ist nur, wie wirkt so eine effektive emotionale Manipulation auf Jugendliche, die vielleicht noch deutlich weniger mit großen politischen und gesellschaftlichen Themen in Berührung gekommen sind als ich. Ich weiß wie ich die, von Rezo präsentierten, Fakten einordne, weil ich schon weiß was meine politische Einstellung ist.

Hier kann ich jetzt nur an Eltern, Lehrer, Großeltern, ältere Geschwister und so weiter plädieren. Sprecht mit euren Erstwählern. Auch wenn ihr mit dem Videos Rezos, oder Fridays for Future nichts anfangen könnt, jetzt sollte diese neuaufgekommene politische Leidenschaft der jungen Leute nicht unterdrückt und belächelt werden. Meiner Generation wird lange nachgesagt wir haben keine politisches Interesse. Jetzt ist es doch da. Nutzt die Situation und die Aufmerksamkeit, um politische Themen zu diskutieren. Nutzt diese Situation, um euren Erstwählern klar zu machen, wie wichtig es ist ein Mitglied unserer Demokratie zu seien. Nutzt diese Situation, um politisch zu bilden.

Nina Brune studiert an der Freien Universität Berlin Geschichte und Publizistik- und Kommunikationswissenschaften im Bachelor. Sie ist Werkstudentin bei Debatoo.