Fakten gelten als Grundstock für Debatten. Doch diese werden durch Falschaussagen von Seiten diverser Politiker erschwert und zerstört. Kann die Wissenschaft die Rettung sein?

Eine Übereinkunft darüber, was als Fakt gilt und was nicht, bildet die Basis für Debatten, unabhängig davon, welche politischen Positionen vertreten werden. Allerdings, so Prof. Dr. Andrea Römmele im Tagesspiegel, verlieren Fakten als Diskussionsgrundlage immer mehr an Bedeutung. Stattdessen werden sie dazu eingesetzt Weltanschauungen zu begründen, erklärt die Kommunikations- und Politikwissenschaftlerin. 

Zwei Phänomene lassen sich hier aufzeigen; nennen wir sie „Trumpinismus“ und „Putinismus“. Trump setzt alternative Fakten in die Welt und verteidigt die Falschaussagen als Wahrheiten. Putin geht einen Schritt weiter und handelt nach der Devise: Ich weiß, dass ihr (Europa) wisst, dass ich lüge. So geschehen z.B. nach dem Giftanschlag auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal in Salisbury. Jörg Himmelreich brachte es im Deutschlandfunk Kultur auf den Punkt: „Putin geht es dabei, anders als Trump, nicht darum, eine alternative Wahrheit zu schaffen, dazu ist sie zu unhaltbar, sondern darum, die anderen Staaten Europas öffentlich damit zu demütigen, diese unhaltbare Lüge hinnehmen zu müssen. Das ist Machiavellismus in aktualisierter Reinform.“

Verlust der empirischen Basis

Die Wahrheit wird irrelevant für politische Akteure, wenn die Lüge die gewollte Botschaft unterstützt. Wenn als richtig erachtet wird, was die Botschaft bestärkt und als falsch, was sie schwächt, dann erfährt das Lügen Legitimität in der Politik. „Der Wahrheitsgehalt spielt keine Rolle mehr. Politische Debatten verlieren ihre empirische Basis“, erläutert Römmele. „Stattdessen beruhen sie nur noch auf Weltanschauungen, Gefühlen und Werten. Über die lässt sich dann allerdings kaum streiten, da sie grundsätzlich weder wahr noch falsch sind“ begründet die Professorin an der Hertie School of Governance, Berlin.

Selbiges findet auch im Internet statt. Menschen ziehen sich in Echoräume zurück, wo ihre Meinungen und Ansichten bestärkt oder bestätigt werden. Zudem gibt es im Internet kaum mehr „Schleusenwärter“, die Tatsachen herausfiltern und zu einer umfassenden Berichterstattung zusammenfügen. Fundierte Debatten und Diskussionen werden dadurch erschwert und behindert. Verstärkt wird diese Tatsache, indem das Vertrauen durch die verschwimmende Grenze von wahr und falsch, verringert wird. Was nun benötigt wird, sind Fachleute und Journalisten, die gegen die Beliebigkeit mithilfe von wahren Fakten vorgehen. Argumentativ und sachlich, ausgerüstet mit Daten und Zahlen.

Die Rolle der Wissenschaft: Retterin der Fakten?

Durch die Wissenschaft könnte mehr Rationalität in die öffentliche Debatte einziehen. Im Mittelalter verhalf Jeanne d’Arc Frankreich zu einem Sieg über Engländer und Burgunder. Verhilft nun die Wissenschaft den Fakten zu einem Sieg über Fake News?

Der Bundespräsident Frank Walter Steinmeier zumindest schreibt der Wissenschaft eine große Bedeutung zu. Bei einer Rede an der Nationalen Akademie der Wissenschaften lobte er die WissenschaftlerInnen: „Sie verteidigen die Vernunft gegen die Verrohung unserer öffentlichen Debatten.“ Letztlich geht es darum, die Demokratie zu stärken, denn diese wird sonst von Lügen zersetzt. Die Gesellschaft benötigt eine gemeinsame Wahrheit, einen Bestand an allgemein anerkannten Informationen und unumstrittenem Wissen, um streiten und diskutieren zu können. 

<a href="https://blog.debatoo.com/author/debatoo_elisa/" target="_self">Elisa Reinlein-Mertens</a>

Elisa Reinlein-Mertens

Elisa Reinlein-Mertens hat ihren Bachelor-Abschluss in Philosophie, Politik & Ökonomik an der Universität Witten/Herdecke absolviert. Aktuell studiert sie Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste Berlin. Sie ist Social Media Manager bei Debatoo.